
Für viele Schülerinnen und Schüler gehört die Verwendung von KI-Tools inzwischen zur Informations- und Lernpraxis. Laut der periodisch durchgeführten JIM-Studie nutzten im Jahr 2025 91 Prozent der 12- bis 19-Jährigen mindestens eine KI-Anwendung, 74 Prozent auch für Schule oder Lernen und 70 Prozent zur Informationssuche. Im Vorjahr lagen die Werte noch deutlich niedriger. KI ist damit kein Randphänomen mehr, sondern integrierter Teil der alltäglichen Lebenswelt und Lernumgebung junger Menschen. (vgl. JIM-Studie 2025, S. 61–63).
Für Lehrkräfte entsteht daraus eine besondere Situation. Obwohl viele Schülerinnen und Schüler KI routiniert einsetzen, fehlt im schulischen Unterricht weithin eine klare und praxisgerechte Orientierung, wie damit umzugehen ist. Der Bitkom-Studie Digitale Schule 2025 zufolge gibt es nur an 23 Prozent der Schulen einheitliche Regeln für den KI-Einsatz. In 35 Prozent der Fälle werden Regeln von einzelnen Lehrkräften festgelegt, 27 Prozent der Schulen kennen bislang gar keine Regelungen. Zugleich zeigt ein weiteres Bitkom-Papier, dass sich 80 Prozent der Lehrkräfte verpflichtende Weiterbildungen zu digitalen Themen wünschen. Das verweist weniger auf Zurückhaltung als auf hohen Bedarf an Orientierung, an Austausch und nach praxistauglichen Konzepten. (vgl. Bitkom, Bildung 2030, S. 14; Bitkom, Digitale Schule 2025, S. 28–29, https://www.bitkom.org/sites/main/files/2025-11/Bitkom-Studienbericht-Digitale-Schule-2025.pdf).
Vor diesem Hintergrund geht es nicht mehr um die Frage, ob man KI nutzen solle, sondern darum, wie ein zweckgemäßer und datensicherer Umgang eingeübt werden kann. Entscheidend ist, KI nicht nur als Werkzeug zu behandeln, sondern auch zum Gegenstand und Thema im Unterricht zu machen. Schülerinnen und Schüler benötigen eine KI-Umgebung, um Erfahrungen auszutauschen, Risiken einzuordnen, Fehler zu erkennen, Quellen zu prüfen und die Bedingtheiten der Systeme zu reflektieren.
Weil KI im Lernalltag vieler junger Menschen präsent ist, braucht es im Unterricht auch Räume für die kompetente Anwendung und kritische Einordnung.
Für den Unterricht lassen sich daraus niedrigschwellige Ansätze finden: erstens Transparenz über Art und Umfang der KI-Nutzung, etwa, indem Schülerinnen und Schüler offenlegen, wann und wie sie ein Tool eingesetzt haben. Zweitens Prozesswissen, etwa, indem KI-Ergebnisse quellenkritisch geprüft werden: „Was ist plausibel, was ungenau, was unbelegt?“ Drittens lässt sich die Prompteingabe selbst zum Lerngegenstand machen, wenn unterschiedliche Anfragen erprobt und ihre Ergebnisse synoptisch ausgewertet werden. So wird aus bloßer Nutzung schrittweise eine reflektierte Praxis.
Ein Blick nach Sachsen zeigt, wie sich Strukturen im Umgang mit KI im schulischen Kontext entwickeln lassen. Über die Plattform MeSax werden Materialien, Fortbildungsangebote und Hinweise zum Einsatz von KI gebündelt bereitgestellt. Ergänzend steht mit „KAI“ ein KI-gestützter Assistent zur Verfügung, der Lehrkräfte insbesondere bei der Unterrichtsvorbereitung unterstützt. Gleichzeitig ist mit „telli“ ein weiterer Schritt geplant: Im Laufe des Jahres 2026 soll ein KI-Chatbot für den breiteren schulischen Einsatz zur Verfügung stehen, der sowohl Lehrkräfte als auch Schülerinnen und Schüler beim Lernen unterstützen kann. Dank dieser Entwicklung können bestehende Angebote ausgebaut und um stärker integrierte Anwendungen ergänzt werden.
Interessant ist dieses Beispiel vor allem deshalb, weil hier nicht nur einzelne Tools bereitgestellt werden, sondern eine integrative Strategie verfolgt wird, mit der KI-Kenntnisse, Fortbildung und Hilfestelllungen für den Unterricht mehr und mehr zusammengeführt werden. Ähnliche Entwicklungen lassen sich inzwischen auch in anderen Bundesländern beobachten, in denen entsprechende Angebote und Orientierungsrahmen schrittweise aufgebaut oder schon konkret umgesetzt werden.
Vor diesem Hintergrund lohnt ein Blick auf die Lehrkräftebildung. Inzwischen gibt es Bestrebungen, KI-bezogene Kompetenzen stärker in die Aus- und Weiterbildung einzubinden. So verweist auch die Kultusministerkonferenz in ihren Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz darauf, dass KI in der Lehrkräftebildung und in den Fortbildungsangeboten der Länder systematisch eingebunden werden sollte. Dass sich hier etwas bewegt, zeigt auch der KI-Campus (https://ki-campus.org). Er versteht sich als offene Lernplattform für Künstliche Intelligenz und richtet sich ausdrücklich an Studierende und Lehrende. Diese können dort KI-Kompetenzen gezielt erwerben und digitale Lernangebote in ihr Studium integrieren. Solche Angebote zeigen, dass der reflektierte Umgang mit KI nicht nur als Unterrichtsthema, sondern auch als Aufgabe von Aus- und Fortbildung verstanden wird.
Aus all dem lässt sich ableiten, dass es beim Thema KI mehr und mehr um Konzepte und Materialien geht, die Wissenserwerb und Erprobung miteinander verbinden. Genauso wichtig ist dabei, dass dieses Erproben nicht beiläufig, sondern in einem angeleiteten pädagogischen und didaktischen Rahmen geschieht. Das Ausprobieren gehört für viele Schülerinnen und Schüler längst zum Alltag; im Unterricht dollte demgegenüber die Nutzung bewusst reflektiert, vertieft und kritisch begleitet werden.
An dieser Stelle setzt das Unterrichtsprogramm fit for news des Europäischen Instituts für Journalismus- und Kommunikationsforschung an. In allen Einheiten steht die praktische Auseinandersetzung im Vordergrund, wird jedoch gezielt mit grundlegenden Kenntnissen und Reflexion verknüpft. Die Lehreinheit „KI-Chatbots“ bildet hier den Einstieg. Sie erklärt die Funktionsweise und zeigt das Arbeiten mit Prompts, das Vergleichen von Antworten und das Erkennen typischer KI-Fehler. In der Einheit „KI-Chatbots in der Berufsorientierung“ werden diese Grundlagen in einen konkreten Anwendungskontext übertragen, etwa die zweckrichtige Nutzung von KI im Bewerbungsprozess. Die Einheit „Kann ich Bildern trauen?“ erweitert den Blick auf visuelle Inhalte, von grundlegenden Fragen der Wahrnehmung über Bildmanipulation bis hin zu KI-Bildern und Deepfakes. Diese Einheit arbeitet ebenfalls mit Übungen, Quizformaten und interaktiven Erprobungen.
So entsteht ein Programm, in dem Schülerinnen und Schüler nicht nur lernen, wie KI funktioniert; ihnen wird auch klar, dass sie die KI-Modelle mit kritischem Verstand, also kompetent und reflektiert nutzen sollten.
Stefan Möck
22.04.2026